Arzneimittelpflege

Für den Einsatz von Medikamenten in der Neonatologie sind für eine allumfassende Berechnung der kumulierten Tageszufuhr an relevanten Stoffen neben den "allgemeinen" Angaben, wie sie z.B. in Standardwerken wie der "Rote Liste" zu finden sind, darüber hinaus spezielle Angaben zu tätigen. Diese Informationen werden in der mitgelieferten Arzneimitteldatenbank hinterlegt.

Die Datenbank der Arzneistoffe ist das 'Herz' von Visite 2000. Mit den hier gemachten Angaben steht und fällt der Zugewinn an Qualitätssicherung und damit Patientensicherheit. Deshalb darf hier nicht jeder Anwender Zugriff haben.

Die gängigsten Arzneistoffe, die im Bereich der päd. Intensivmedizin und Neonatologie eingesetzt werden, sind bereits eingegeben worden (ca. 400 Eintragungen). Diese Arzneistoffdaten werden zusammen mit dem Programm ausgeliefert. In der Arzneimittelübersicht werden die Arzneimittel mit folgenden Daten aufgeführt:

  • Handelsname: Handelsname des Arzneistoffes
  • Generic: Chemische Bezeichnung
  • Konz.: Angabe in %, z.B. Glucose 5%, 10%, etc.
  • Einheit: ml, mg, g, IE, etc.
  • Energie: Energiegehalt bezogen auf ein Liter in KJoule
  • Osmolarität: Osmolarität des Arzneistoffes (mosmol/L)
  • Arzneistoffgruppe des Arzneistoffes: Hierbei gelten folgende Abkürzungen:
    • TPN - Tagesmenge = Total parenterale Nahrung
    • TPN - Fett = Total parenterale Nahrung, Fettanteil
    • Arterie = Spülung für eine Arterie
    • Venöse Zugänge = z.B. Glukose 5% zum Offenhalten
    • DTI - Medikament = Dauertropfinfusionen in der Regel über Perfusoren (z.B. Katecholamine, Sedativa, Analgetika)
    • i.v., s.c., i.m. Medikament = z.B. Antibiotika
    • Orale Medikamente = Tabletten, Säfte, etc.
    • Orale Tagesmenge = Milchnahrungen, Nahrungszusätze
  • Dichte: Die Dichteangaben werden bei der Erstellung des Herstellungsplans verwendet. Dort wird über die Dichte das Gewicht eines einzelnen Arzneistoffes berechnet und es erfolgt in der Apotheke eine interne Plausibilitätskontrolle nach der Zubereitung.
  • Energie: Ebenso wird der Energiegehalt des Arzneistoffes angegeben. So wird gewährleistet, daß bei Verwendung des Arzneistoffes in einer Verordnung auch der entsprechende Energiegehalt mitberechnet wird.
  • Osmolarität: Hier ist die Osmolarität des Arzneistoffes anzugeben. Für die Arzneistofftypen 'DTI-Medikamente' und 'i.v., s.c., i.m. Medikamente' bezieht sich die Osmolarität immer auf die Stammlösung und findet Anwendung bei der Überwachung der Arzneimittelapplikation je Zugang.
  • Minimaldosierung: Hier kann die zulässige Minimaldosierung des Arzneistoffes angegeben werden. Die jeweilige Einheit steht hinter dem Feld angegeben und entspricht den Angaben zu dem Arzneistoff. Wird hier kein Eintrag gemacht, kann eine beliebig niedrige Dosierung verordnet werden. Ein Eintrag in diesem Feld ist zum Beispiel für Antibiotika sinnvoll, wenn man Unterdosierungen vermeiden will.
  • Maximaldosierung: Hier kann die zulässige Maximaldosierung des Arzneistoffes angegeben werden. Die jeweilige Einheit ist hinter dem Feld angegeben und entspricht den Angaben zu dem Arzneistoff. Wird hier kein Eintrag gemacht, entfällt jegliche Absicherung durch das Programm.
  • Absolute Maximaldosis (bei allen Arzneistoffgruppen außer DTI-Medikamente): Hier kann eine absolute Maximaldosis angegeben werden. Viele Medikamente werden in der Pädiatrie pro kg Körpergewicht dosiert. Dennoch sind immer wieder maximale Absolut-Dosierungen vorgegeben.

Zusätzliche Angaben

Herstellungsplan/Etiketten: Hier kann angegeben werden, ob der Arzneistoff später auf dem Herstellungsplan erscheinen soll und ob Etiketten für Ihn generiert werden sollen. Dabei muß bekannt sein, ob der Arzneistoff von der Apotheke oder auf Station 'hergestellt' wird.

Umrechnung in ml: Hier muß ein Umrechnungsfaktor angegeben werden. Dieser Faktor wird bei der Berechnung von Flüssigkeitsmengen (siehe Zwischenberechnung) und der Erstellung des Herstellungsplans benötigt.

Konzentration der Stammlösung: Hier wird die Konzentration eines Arzneistoffes eingetragen, wie sie von der Apotheke zubereitet wird. Diese Konzentration ergibt sich in der Regel aus den Angaben im Beipackzettel. Sie kann höher sein als die Konzentration, die am Patienten appliziert werden darf (siehe unten Maximalkonzentration). Beispiel: Erythromycin kann mit Aqua (= Lösungsmittel der Stammlösung) zu einer Konzentration von 50mg/ml aufgezogen werden. Diese Konzentration der Stammlösung darf jedoch nicht am Patienten appliziert werden. Dazu muß diese Stammlösung weiter verdünnt werden mit NaCl 0,9% (= Lösungsmittel zur Verdünnung) bis auf eine Konzentration von 10mg/ml. Stammlösungen sind oft haltbarer als applikationsfertige Lösungen. Außerdem können aus einer Stammlösung Applikationen für mehrere Patienten hergestellt werden, für die unter Umständen unterschiedliche Maximalkonzentrationen gewünscht werden. Für die Apotheke handelt es sich hier also um einen Kosten- und Zeitfaktor.

Lösungsmittel der Stammlösung: Hier wird angegeben, wie die Stammlösung eines Arzneistoffes hergestellt wird (siehe oben 'Konzentration der Stammlösung'). Die einzelnen Lösungsmittel sind aus einer Drop Down Liste wählbar. Wird hier als Lösungsmittel Glukose 5% gewählt, so muß dies bei der Angabe der Energie (s.o.) berücksichtigt werden.
Gerade onkologische Patienten mit einer Fülle von Medikamenten können relevante Mengen an Glukose auf diesem Weg zugeführt bekommen. Um dies aufzudecken, müssen die Angaben unter 'Energie' und 'Zusammensetzung' gemacht werden.

Lösungsmittel zur Verdünnung: Hier kann ein Lösungsmittel aus einer DropDown Liste ausgewählt werden. Wenn die Stammlösung weiter verdünnt werden soll oder muß, kann angegeben werden, mit welchem Lösungsmittel dies durchgeführt werden soll. Das hier ausgewählte Lösungsmittel wird bei Auswahl eines Arzneistoffes in der Verordnungsmaske als Voreinstellung angezeigt. Falls als Lösungsmittel Glukose oder NaCl gewählt wird, werden dadurch entstehende zusätzliche Glukose- bzw. Natriumchloridmengen bei den Berechnungen automatisch berücksichtigt.

Gabe als Kurzinfusion: Wenn dieses Feld aktiviert wird, öffnet sich rechts daneben ein weiteres Eingabefeld, in das die Zeit in Minuten eingegeben werden muß, über die das Medikament gegeben werden soll. Diese Zeit wird auf dem Medikamentenplan und auf dem Etikett (falls vorhanden) entsprechend vermerkt. Sie ist die Basis für die Durchlaufsberechnung/Stunde einer Einzeldosis. Innerhalb der Verordnungsmaske kann Sie geändert werden.

Zahl Einzeldosen: Hier wird angegeben, wie groß die übliche Zahl an Einzeldosen ist. Beispiel: Cefotaxim wird in einer Dosierung von 150mg/kg/d verordnet. Die hier angegebene Zahl der Einzeldosen wird übernommen und die Einzeldosen entsprechend berechnet. Diese erscheinen dann auf der ausgedruckten Verordnung. Damit wird verhindert, daß ein verordneter Arzneistoff in einer Einzelgabe verabreicht wird, weil versäumt wurde, die Zahl der Einzeldosen anzugeben. Verwendung findet dies auch bei der Verordnungsmaske 'Orale Tagesmenge' - Beispiel: Humana 150ml/kg/d wird gleich auf 6 Einzeldosen bzw. Mahlzeiten umgerechnet. Natürlich kann die voreingestellte Zahl an Einzeldosen manuell während der Verordnung geändert werden.



Durch Wahl des Schalters 'Zusatzinfo' können frei Informationen zu dem Arzneistoff eingegeben werden. Außerdem kann auch ein PDF File verknüpft werden. Diese Daten können hinterher direkt bei der Verordnung über das Anklicken des Fragezeichens abgerufen werden und können so gerade unerfahrenen Kollegen eine echte Hilfe sein.